Die DRK-Bereitschaften sind tragende Säulen im Katastrophenschutz – engagiert, flexibel und nah am Menschen. Doch wie reagieren sie auf neue Herausforderungen? Im Interview spricht DRK-Bundesbereitschaftsleiter Martin Bullermann über aktuelle Entwicklungen, die Bedeutung des Ehrenamts und darüber, wie Gemeinschaft und Innovation in den Bereitschaften Hand in Hand gehen.
Die DRK-Bereitschaften sind ein zentraler Pfeiler des Bevölkerungsschutzes. Sie verbinden den staatlichen Auftrag mit gesellschaftlichem Engagement – verlässlich, kompetent und zutiefst menschlich. Ob bei Katastrophen, geplanten Evakuierungen, Veranstaltungen oder im alltäglichen Dienst: Wir sind überall in Deutschland vor Ort und helfen. Unsere Hilfe folgt der Not, nicht der Vorliebe, und ist oft schon da, bevor etwas passiert.
Die Bandbreite unserer Einsätze hat in den letzten Jahren enorm zugenommen, sowohl in der Häufigkeit als auch in der Komplexität und Intensität. Die Corona-Pandemie war wie ein Brennglas: Sie hat verdeutlicht, wie wichtig eine verlässliche und flexible flächendeckende Struktur vor Ort ist. Und die Flutkatastrophen haben gezeigt, wie wichtig es ist, nicht erst zu reagieren, sondern vorbereitet zu sein. Besonders gefragt sind zunehmend soziale Nothilfen im Alltag und kulturelle Sensibilität.
Unsere Präsenz nahezu in jedem Ort ermöglicht ein schnelles und individuelles Handeln – stets mit dem Ziel, Menschen verlässlich und empathisch zu unterstützen.
Eine starke Bereitschaft erkennt man nicht an der Zahl ihrer Mitglieder oder Fahrzeuge, sondern an ihrer Haltung: Teamgeist, Vertrauen, Verantwortungsbewusstsein und der Wille, gemeinsam zu gestalten und für die Menschen da zu sein, die Hilfe brauchen, wo und wann immer es darauf ankommt. Auch eine klare Kommunikation auf Augenhöhe, definierte Aufgaben, regelmäßige Aus- und Fortbildungen und die Fähigkeit zur Selbstreflexion sichern nachhaltige Stärke. Gute Führung und das Bewusstsein, Teil eines großen Ganzen zu sein, machen in einer starken
Bereitschaft den Unterschied.
Die Gewinnung und Bindung junger Menschen ist eine unserer wichtigsten Aufgaben. Sie gelingt mit modernen Angeboten, echter Mitgestaltung und einer offenen Willkommenskultur. Junge Menschen finden bei uns Sinn, Gemeinschaft und Entwicklungsmöglichkeiten. Mit starker Teamarbeit, moderner Ausbildung und wertschätzender Begleitung schaffen wir Räume, in denen sie wachsen und Verantwortung übernehmen können – heute und für die Zukunft.
Wir arbeiten weiter an der Stärkung der deutschlandweiten Zusammenarbeit innerhalb des Roten Kreuzes über alle Ebenen hinweg, im Sinne eines komplexen Hilfeleistungssystems. Dabei fördern wir gezielt die Resilienz der Bevölkerung – mit Projekten zur Selbst- und Nachbarschaftshilfe, damit Menschen im Ernstfall sich und anderen helfen können. Wir modernisieren auch unsere Ausstattung und Ausbildung, dabei setzen wir auf praxisnahe Module, digitale Prozesse und auf die Stärkung der Führungs- sowie Kommunikationskompetenz. Innovation, Forschung und Einsatzreflexion sichern unsere Einsatzfähigkeit – gemeinsam, interdisziplinär und zukunftsorientiert.
Mich motiviert der Geist unserer Bewegung, der uns vereint: vielfältige Biografien mit einem Ziel, uneigennützig im Zeichen der Menschlichkeit zu helfen. Ich bin Teil eines starken Teams, das sich ergänzt und gegenseitig unterstützt. Das gibt mir Kraft und ich bin stolz auf das, was wir zusammen erreichen. Ich darf gestalten, zuhören und begleiten – eine Verantwortung und ein Privileg zugleich.
Meine Botschaft an unsere Mitglieder: Ihr seid das Herz der Bereitschaften. Bleibt neugierig, haltet zusammen und bewahrt euch Zuversicht und Menschlichkeit. Euer Einsatz macht den Unterschied.
© Andreas Brockmann/DRK LV Nordrhein, Martin Bullermann