Gemeinsam essen, gemeinsam lernen: Ernährungsbildung in der Kita

Praxis
apetito
Datum 23.09.2026
Lesedauer 4 Minuten
Zusammenfassung:
Jede Mahlzeit ist eine Chance zum Lernen: Kinder entdecken Lebensmittel auf ihre ganz eigene Weise, mit allen Sinnen, in ihrem Tempo und ohne Druck. Doch wie können pädagogische Fachkräfte diesen Prozess im Kita-Alltag begleiten und gleichzeitig Freude am Essen fördern? Der Beitrag zeigt, wie selbstbestimmte Ernährungsbildung gelingt und warum spielerische Ansätze wie die Genusswerkstatt dabei eine wertvolle Rolle spielen können.
Mit dem “Harry” Bilder-Speiseplan von apetito können die Mahlzeiten anschaulich präsentiert, Gerichte besprochen und die Vorfreude auf das Mittagessen geweckt werden.

Ernährung ist heute viel mehr als nur die reine Nahrungsaufnahme. Sie ist alltagsbestimmend und wird von vielen äußeren Faktoren beeinflusst. Soziale Beziehungen, kulturelle Herkunft und emotional Erlebtes prägen die individuelle “Ess-Identität”. So treffen auch in der Kita unterschiedliche Ess- und Ernährungsgewohnheiten aufeinander.

„Gute Kita-Verpflegung bedeutet nicht nur, Kinder satt zu machen. Sie bietet jeden Tag die Chance, Freude am Essen zu vermitteln und die Grundlage für ein selbstbestimmtes Ernährungsverhalten zu legen“, betont Anna Kösters, Oecotrophologin und Expertin für Kinderernährung bei apetito. So werden Mahlzeiten zu wertvollen Lernmomenten – und zu einem wichtigen Beitrag für die gesunde Entwicklung von Kindern. 

Im Alltag stehen pädagogische Fachkräfte jedoch häufig zwischen unterschiedlichen Erwartungshaltungen. Wenn es nach den Eltern geht, sollten die Kinder alles probieren, gesunde Lebensmittel stets bevorzugen, die “richtige Menge” essen und natürlich auch am Tisch sitzen bleiben. Kinder essen jedoch nicht nach Plan. Ihr Essverhalten ist gelenkt von ihren Bedürfnissen, Talenten, Möglichkeiten, Stimmung und vieles mehr. Sie nehmen ihre Umwelt über die Sinne wahr, reagieren auf Aussehen, Geruch und Konsistenz von Speisen und benötigen Zeit, um Neues anzunehmen. 

Ernährungsbildung neu gedacht - Warum die Erwartungshaltung den Unterschied macht.

Ernährungsbildung bedeutet im neuen Verständnis das Schaffen eines sicheren Rahmens, in dem Kinder selbstbestimmt entscheiden, wann sie Lebensmittel mit ihren Sinnen entdecken und ausprobieren möchten. Es bedeutet nicht, mit Kindern über eine gesunde Ernährung zu sprechen oder ihnen einen bestimmten Ernährungsstil aufzuzwingen. Kinder entscheiden selbst, wann sie bereit sind, ein Lebensmittel auszuprobieren. Diese Selbstbestimmung ist ein zentraler Bestandteil von Ernährungsbildung. Entscheidend ist ein Rahmen, der Orientierung bietet, ohne zu überfordern. Für pädagogisches Fachkräfte bedeutet dies, Reaktionen und Äußerungen wie “Mag ich nicht.” von den Kindern besser deuten zu können.

Gemeinsam mit der renommierten Oecotrophologin und systemischen Familientherapeutin Edith Gätjen hat apetito eine Broschüre zur Ernährungsbildung entwickelt, welche die Leitidee: „Jede Mahlzeit ist ein pädagogisches Angebot!“ in den Mittelpunkt stellt. Sie zeigt, wie Mahlzeiten zu Lerngelegenheiten werden, in denen Kinder Lebensmittel mit Neugier und Freude entdecken können.

Damit Kinder in der Kita selbstbestimmt und gesundheitsförderlich sowie genussvoll essen, essen lernen und beim Essen lernen können, brauchen sie nicht nur pädagogische Begleitung, sondern auch Hauswirtschaftskräfte, die die Mahlzeiten kindgerecht zusammenstellen und ihre kleinen Tischgäste wirklich verstehen. Da Kinder ihre Umwelt über die Sinne wahrnehmen, ist es entscheidend, dass das Essen gut aussieht, riecht, sich gut anfühlt und dann auch schmeckt. 

Lebensmittel mit allen Sinnen entdecken

Um neben den täglichen Mahlzeiten auch bewusst Räume zu schaffen, um Lebensmittel auf vielfältige Weise kennenzulernen, empfiehlt Edith Gätjen die Umsetzung einer sogenannten Genusswerkstatt. Die Kinder entdecken beispielsweise verschiedene Brotsorten, Kräuter, Obst oder Gemüse und lernen deren Eigenschaften spielerisch kennen. Das fördert Wahrnehmung, Sprache und Selbstständigkeit. 

„Kinder brauchen Gelegenheiten, mit Lebensmitteln zu “flirten”, also Zeit zu haben, diese unverbindlich und spielerisch entdecken zu können - sehen, hören, fühlen, riechen und vielleicht auch mit der Zunge ertasten – ganz ohne Erwartung sie essen zu müssen“, erklärt Edith Gätjen.

Besonders wirkungsvoll ist die Genusswerkstatt in Verbindung mit den Mahlzeiten. Steht beispielsweise nach langer Zeit wieder Kürbis auf dem Speiseplan, dürfen die Kinder das Lebensmittel bereits einige Tage vorher innerhalb der Genusswerkstatt kennenlernen. Das schafft Vertrautheit und erleichtert die Akzeptanz bei der späteren Mahlzeit, die dann z. B. aus einer Kürbissuppe besteht.

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Die individuelle Speiseplanung mit apetito ermöglicht es Kitas, Ernährungsbildung und Mittagessen gezielt miteinander zu verknüpfen. Sie entscheiden selbst, wann und in welcher Form Lebensmittel auf den Speiseplan kommen, und können so beispielsweise die Inhalte der Genusswerkstatt passend in die Verpflegung integrieren.
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