„Grüne Rettungswache“: Nachhaltigkeit im Rettungsdienst

Nachhaltigkeit
Alexander Frohn
Datum 17.08.2026
Lesedauer 3 Minuten
Zusammenfassung:
Hinter dem Projekt "Grüne Rettungswache" steht das Konzept, Rettungswachen ressourcenschonender zu bauen und zu betreiben, Mitarbeitende für nachhaltiges Handeln zu sensibilisieren und den Rettungsdienst langfristig zukunftsfähig aufzustellen. Das Deutsche Rote Kreuz in Rheinland-Pfalz verfolgt damit einen ganzheitlichen Ansatz, der ökologische Verantwortung dauerhaft in den Rettungsdienst integriert.

Das Thema Nachhaltigkeit endet nicht an der Tür einer Rettungswache. Mit dem Projekt „Grüne Rettungswache“ verfolgt das Deutsche Rote Kreuz in Rheinland-Pfalz einen ganzheitlichen Ansatz, der ökologische Verantwortung dauerhaft in den Bau, den Betrieb und die Organisation des Rettungsdienstes integriert. Ausgangspunkt war der Neubau der ersten „Grünen Rettungswache“ in Diez. Dort entstand die Idee, Umwelt- und Klimaschutz baulich zu berücksichtigen.

Was versteht man unter einer „Grünen Rettungswache“?

Aus dieser Vision entwickelte sich ein umfassendes Gesamtprojekt, das aus mehreren eng miteinander verknüpften Teilprojekten besteht. Ziel aller Projekte ist es, Rettungswachen ressourcenschonender zu bauen und zu betreiben, Mitarbeitende für nachhaltiges Handeln zu sensibilisieren und den Rettungsdienst langfristig zukunftsfähig aufzustellen.

2023 sind beim DRK in Rheinland-Pfalz insgesamt 14 Umweltmanagementbeauftragte ausgebildet worden. Seither übernehmen sie in ihren Betrieben Beratungs- und Umsetzungsaufgaben rund um das Thema Umweltmanagement. Als Ansprechpersonen begleiten sie die Einführung nachhaltiger Prozesse, unterstützen die Geschäftsführungen bei umweltrelevanten Fragestellungen und sorgen dafür, dass ökologische Aspekte in Entscheidungen und Arbeitsabläufe einfließen. Eine weitere Aufgabe ist es, Mitarbeitende für ökologische Zusammenhänge zu sensibilisieren und nachhaltiges Handeln im Arbeitsalltag selbstverständlich werden zu lassen.

ISO 14001 als zentraler Zertifizierungsstandard

Das Kernstück des Projekts ist die Einführung eines Umweltmanagementsystems nach der internationalen Norm ISO 14001. Damit wird das Ziel verfolgt, ein zertifizierungsfähiges System in allen rettungsdienstbetreibenden Organisationen zu etablieren. Hierfür arbeitet eine Projektgruppe aus den Umweltmanagementbeauftragten an der Erstellung der notwendigen Dokumentation, die anschließend allen Organisationen zur Verfügung gestellt wird. Das Umweltmanagement soll künftig in das bestehende Qualitätsmanagement des Rettungsdienstes integriert werden. Der Abschluss dieses Teilprojekts ist für Ende 2026 vorgesehen.

Parallel dazu werden derzeit auf rund 78 DRK-Rettungswachen Energieaudits durchgeführt. Die Untersuchungen sollen aufzeigen, wo Energieeinsparpotentiale und Handlungsbedarfe liegen. Die Energieaudits bilden eine wichtige Grundlage für zukünftige Modernisierungsmaßnahmen.

Zahlreiche nachhaltige Maßnahmen werden bereits auf den Rettungswachen umgesetzt. So wurden vielerorts LED-Beleuchtungen mit Präsenz- und Bewegungsmeldern installiert, um den Stromverbrauch zu reduzieren. An mehreren Standorten ersetzten moderne Wärmepumpen ältere Heizsysteme. Darüber hinaus verfügen zahlreiche Rettungswachen inzwischen über Photovoltaikanlagen mit Batteriespeichern. Sie ermöglichen die Eigenstromversorgung und erhöhen gleichzeitig die Versorgungssicherheit bei möglichen Energiemangellagen. Diese Maßnahmen haben sich inzwischen als fester Bestandteil des Rettungswachenmanagements etabliert.

Neue Baurichtlinien für „Grüne Rettungswachen“

Auch für zukünftige Neubauten wurden verbindliche Standards geschaffen. Im Jahr 2025 verabschiedete das DRK in Rheinland-Pfalz Richtlinien für den Bau „Grüner Rettungswachen“. Sie definieren die Kriterien für nachhaltiges Planen und Bauen. Die Richtlinien werden regelmäßig überprüft und bei Bedarf an neue technische oder gesetzliche Entwicklungen angepasst.

Mit dem Projekt verfolgt das DRK weit mehr als einzelne Klimaschutzmaßnahmen. Es geht darum, Rettungswachen nachhaltig zu bauen und zu betreiben, Ressourcen effizient einzusetzen, Fördermöglichkeiten zu erschließen und gleichzeitig die Attraktivität des Arbeitsplatzes im Rettungsdienst zu steigern. Nachhaltigkeit soll zu einem festen Bestandteil der Organisationskultur werden.

Während nachhaltiges Bauen inzwischen in vielen Bereichen zum Standard gehört, verbindet die „Grüne Rettungswache“ erstmals konsequent den nachhaltigen Gebäudebetrieb mit den eigentlichen Dienstleistungen des Rettungsdienstes. Umweltmanagement wird damit nicht als zusätzliche Aufgabe verstanden, sondern als integraler Bestandteil einer modernen und zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung. Das Projekt zeigt, dass Klimaschutz und Daseinsvorsorge keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig stärken können – zum Vorteil von Umwelt, Mitarbeitenden und Bevölkerung gleichermaßen.

 

Über den Autor

Der gelernte Gesundheitsökonom Alexander Frohn ist seit 2020 für den DRK-Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. tätig. Dort hat er im Jahr 2022 das Rettungswachen- und Umweltmanagement und die Administration der Notarztstandorte im Bereich Rettungsdienst übernommen.

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