Der Arbeitsmarkt hat sich drastisch gewandelt. Fachkräfte wählen heute ihren Arbeitgeber, nicht umgekehrt. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, sich nicht nur als Arbeitsplatz, sondern als attraktive, sinnstiftende Gemeinschaft zu präsentieren. Das DRK in Baden-Württemberg begegnet dem Fachkräftewandel mit einer klaren Strategie: der Entwicklung einer authentischen Arbeitgebermarke.
Um die Arbeitgeberidentität zu stärken, haben der DRK-Landesverband Badisches Rotes Kreuz, der DRK-Landesverband Baden-Württemberg und die DRK-Landestarifgemeinschaft gemeinsam einen strukturierten Fahrplan entwickelt. Los ging es mit einer Bestandsaufnahme: Welche internen und externen Zielgruppen sollen angesprochen werden? Wie kommunizieren die Wettbewerber? Was sagen Mitarbeiterumfragen über das DRK als Arbeitgeber aus? Dafür wurde eine Referentenstelle geschaffen und die Deutsche Employer Branding Akademie als strategischer Partner gewonnen. Intern wird das Projekt durch ein Projektteam und eine Steuerungsgruppe mit Vertretungen der drei Organisationen mitsamt Kreisverbänden koordiniert, getreu dem Motto: „Binde alle ein, die du nicht ungestraft weglassen kannst.“
Nach dem Kick-Off im Dezember 2024 hatten Führungskräfte in Interviews die Gelegenheit, an einer Zielbildbestimmung mitzuwirken. Anschließend nahmen über 40 Mitarbeitende aus 14 Kreisverbänden die Organisationskultur unter die Lupe, darunter waren Mitarbeitende aus den Bereichen Rettungsdienst, aus Leitstellen, der Pflege, dem Suchdienst, dem Hausnotruf, dem erziehungs- und sozialpädagogischen Bereich und der Sozialarbeit sowie Lehrkräfte und Verwaltungsmitarbeitende. Fragen wie „Was macht uns als Arbeitgeber aus?“ und „Wo dürfen wir noch besser werden?“ standen im Mittelpunkt der Diskussion. Die vielen Perspektiven halfen dabei, ein umfassendes Bild des DRK in Baden-Württemberg als Arbeitgeber zu bekommen. Es sollte von Anfang an sichergestellt werden, dass sich die
Mitarbeitenden mit der Arbeitgebermarke identifizieren können.
Aus der Summe der Workshop-Ergebnisse galt es nun die Themen herauszufiltern, mit denen das DRK sich als Arbeitgeber von anderen Organisationen klar abhebt. Dazu zählen die abwechslungsreichen Arbeitstage mit teilweise hohem Adrenalinausstoß. Weder im Rettungsdienst noch in der Seniorenpflege gibt es echte Routinen. Jeder Tag ist anders – ohne Skript oder Wiederholungen.
Auch die große Heterogenität des DRK wurde als besonders wahrgenommen. Egal ob Pflege, Rettungsdienst, Sozialarbeit oder Verwaltung: Die Vielfalt an Menschen, Aufgaben und Wegen ist einzigartig.
Helfen sei beim DRK keine Aufgabe, sondern eine Haltung und persönliche Identität, unabhängig vom Bereich. Hier arbeiten Menschen, die mit Herzblut anpacken, weil sie etwas bewirken wollen. Große Einsätze oder kleine Gesten, Dankbarkeit oder stille Momente – wer hier hilft, tut es aus Überzeugung.
Kritisch wurde der teils mangelnde Optimismus gesehen: „Wir haben manchmal eine besonders kritische Haltung uns selbst gegenüber“, meinten Mitarbeitende. „Entscheidungen sollten schneller über die Bühne gehen“, wurde angemerkt. Weitere Hausaufgaben bestehen bei der transparenten Verteilung von Informationen. Bei 66 Mitgliedseinrichtungen und insgesamt 15 000 Mitarbeitenden ist das eine Herausforderung! Nach der Analyse der Organisationskultur hatten die Mitarbeitenden noch einmal über eine Umfrage die Möglichkeit, ihre Perspektive auf die Ergebnisse der „Trüffelgruppen“ zu teilen.
Im nächsten Schritt folgt die Übersetzung der Arbeitgeberpositionierung in ein Kreativkonzept, Textbotschaften und ein Bild-Headline-Konzept, die für die interne und externe Kommunikation genutzt werden. Die Entwicklung einer Arbeitgebermarke ist kein kurzfristiges Projekt, sondern eine langfristige strategische Aufgabe. Sie erfordert eine kontinuierliche Anpassung an sich verändernde Rahmenbedingungen und einen ständigen Dialog mit den Mitarbeitenden. Wir bleiben dran!
Ein Beitrag von:
Lea Reiser
Referentin Personalgewinnung & -marketing
DRK-Landesverband Badisches Rotes Kreuz e. V.
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